Anatomie des Grauens: Ein Mörder der aufgrund eines Kindheitstraumas reihenweise Leute um die Ecke bringt, eine ansprechende Bildsprache, das Messer als Phallussymbol, packend inszenierte Morde... eigentlich wäre ja alles da, was einen guten Giallo ausmachen würde. Und obwohl sich Anatomie des Grauens permanent um eine gewisse erzählerische Altmodigkeit bemüht, kann der Film als Nachfolger der italienischen Serienkillerfilme nie wirklich überzeugen. Ich glaube einfach, dass der Giallo heute nur noch aus einer gewissen zeitlichen Distanz funktioniert, als Dokument seiner Zeit mit all seinem sympathischen altmodischen Charme. Heute wirken solche vulgär-psychopathologischen Krankeitsbilder (klassisches Trauma wegen der bösen, bösen Mami) als auslösender Moment für eine Mordserie einfach zu abgedroschen, ja geradezu lächerlich wenn man sich auch nur ansatzweise mit moderner Forensik befasst. Was bleibt, ist ein einigermassen stringent erzählter und opulent bebilderter Serienkillerfilm mit einigen inhaltlichen Schwächen. Das ist auch alles andere als schlecht aber in einem Genre das durch Filme wie Se7en auf eine ganz neue Ebene gebracht wurde, braucht es eben mehr als das, um noch irgendwo aus der Masse herauszustechen...
Nichts desto trotz sind diese Widerbelebungsversuche des nach Tenebre totgeglaubten Genres durch Filme wie Anatomie des Grauens oder auch Non Ho Sonno irgendwo lobenswert, "härzig", möchte ich sagen. Aber mehr als ein leiser Versuch ist's eben nicht und das ist wohl auch gut so.





