
Zwielicht - Primal Fear
Original Titel: Primal Fear
Land+Jahr: USA 1996
Regie: Gregory Hoblit
Cast: Richard Gere, Laura Linney, Edward Norton, John Mahoney, Frances McDormand
Dauer: ca. 125 Min.
Ich mag Filme, die im und um den Gerichtssaal spielen. Für mich hat dieser Ort grosses Potenzial, hoch interessante Geschichten, ohne grosse Mittel und auf engem Raum zu erzählen. Es war zwar nicht das erste mahl dass ich einen Gerichtsfilm sah, aber ich weis noch wie fasziniert ich war, als ich nach “Anatomy of a Murder” das Kino verlies. Natürlich nicht gleich als er rausgekommen ist, ich bin glücklicherweise (?) zu Jung, als dass ich ihn um 1959 im Kino hätte sehen können. Es war vor einigen Jahren in London in diesem grossen Kino des Brithish Film Institute, unter dieser Brücke (ich weis nicht wie sie heisst). Der Film lief im Rahmen einer Otto Preminger Retrospektive, mitten am Tag, in einer Hauptrolle James Stewart. Fasziniert haben mich viele Dinge, vor allem aber die Wortgefechte, und die Spannung. Vielleicht die Spannung zumindest Im Kopf vor Gericht zu sein. Komischerweise bin ich einer der Menschen, die gegen verschiedene Berufsgruppen die im Gerichtssaal zu tun haben gewisse Vorurteile Pflege, die nicht gerade von der guten Art sind. Insbesondere gegen Anwälte. Kommt wohl daher, dass sie ihr Bestmöglichstes geben, um jemanden zu verteidigen, praktisch immer ohne klare Sicherheit, dass sie das richtige tun. Teilweise eben sogar mit klarer Sicherheit, das falsche zu tun (auch wenn falsch/richtig wohl wie so manch anderes im Auge des Betrachters liegen).Wenn jemand, Einen der das grösste Arschloch ist, von dem alle wissen, das er das schlimmste getan hat, vor Gericht so gut verteidigt, das er Freigesprochen wird, ist er ein genialer Anwalt. Das muss stören. Es gibt das Bild des Anwaltes, dem Gerechtigkeit und Moral einerlei sind, der seinen Job gut machen will, koste es was es wolle. Aber ich glaube in mir schlummert genau so das Bild vom Helden. Dem Anwalt, der seinen Job eben so genial beherrscht, wie der eben genannte, nur dass er gutes von bösem unterscheiden kann, und für zweiteres keinen Finger rührt. Vielleicht macht genau die Hoffnung, diesen Helden zu sehen diese Filme so anziehend. Oder vielleicht doch eher die Tatsache, das es um Intelligent Konstruierte Dinge geht, die von Intelligenten Leuten so hingestellt werden, wie sie es brauchen, und wir selbst zwar mitdenken, aber nicht eingreifen können, und lange nicht sicher sein können, wem wir nun vertrauen können, weil niemand ein Interesse hat, mit offenen Karten zu spielen.

Was ich mit dieser kleinen Einführung eigentlich sagen wollte? Einerseits, für einen Film im Gerichtssaal, braucht es eine Intelligente Story, die die Spannung halten kann, gute Dialoge, sowie gute Mimen. Und, das man nicht sehr viel weiss, und vieles erst noch erfahren muss, und vieles nie so genau sagen kann.
Gute Mimen hat es im Film. Richard Gere der zwar immer ein Frauenschwarm Image mit sich rumzuschleppen hat, und dennoch ab und zu mal zeigt, dass mit ihm nicht nur in Filmen zu Rechnen ist, in denen es um romantische witzige Prostituierte, und romantische witzige Geschäftsmänner geht, die in einem Hotelzimmer romantische witzige Zeiten verbringen, in denen es mehr um Romantik und Witz geht, als um Prostitution oder andere Geschäfte. Er ist der Staranwalt, zumindest zu Beginn genau so wie er ins Bild passt. Die ersten Sätze die gesprochen werden, noch bevor man überhaupt die erste Aufnahme sieht (Marty: “On my first day of law school, my professor says two things. First was; "From this day forward, when your mother tells you she loves you - get a second opinion."” -Jack Connerman: [chuckles] “And?” -Marty: "If you want justice, go to a whorehouse. If you wanna get fucked, go to court." ), leiten uns in den kurzen Dialog, der uns klar macht, dass es für ihn nicht um die Wahrheit geht (“Truth? How do you mean?”), und wenn, dann nur um seine. Er kämpft bereits mit der Staatsanwaltschaft um einen Fall, erreicht Abfindungen für einen Kerl, der scheinbar ein ganz schön böser Junge ist. Es interessiert in scheinbar nicht, dass er diesem durch seine Arbeit behilflich ist. Was ihn zu interessieren scheint, ist Publicity, Stories, Titelstories. Das bringt ihn überhaupt erst dazu, einen jungen Mann zu verteidigen, einen Ministranten, der scheinbar einen Priester umgebracht haben soll. Der Medienrummel ist schon gross, als dieser noch auf der Flucht ist, und kurz nach seiner Festnahme nennen sie ihn bereits “The Butcher Boy”. Er will diesen Fall, und geht deshalb zu Aaron Stampler, dem “Butcher Boy”, der wohl in der ersten grossen Rolle genial von Edward Norton verkörpert wird, in die Zelle, und bietet ihm gratis seine Hilfe an, und macht ihm noch nebenbei klar, dass er mit ziemlicher Sicherheit per Geschworenenentschluss zu Tode kommen würde, wenn er nicht annimmt. Natürlich nimmt der offensichtlich zutiefst verwirrte, stotternde und bemitleidenswerte Mensch an, und beteuert, er habe nichts getan und sei Unschuldig. Martin Vail, der Anwalt sagt ihm, das interessiere ihn nicht(Aaron: ...i didn’t do this, you got to belive me.” -Marty- "No, I don’t. I don’t care. I am your attorney, wich means I’m your mother, your father, best friend and your priest.”).
Nun geht es darum einen Prozess zu führen. Einen fast aussichtslosen, die Staatsanwaltschaft hat zwar auch nicht wirklich viel, aber alles was da ist, spricht gegen Aaron Stampler.
Den Konterpart in Form einer Staatsanwältin Janet Venable (Laura Linney), steht eigentlich ein wenig unnötigerweise noch auf privater Ebene mit Marty in Verbindung. Die beiden hatten, ein wenig zu Hollywoodconform, mal eine Affäre, die scheinbar beiden noch ein wenig Kopfverbrechen bereitet. Da dies allerdings nicht all zu breit getreten wird, ist es eigentlich auch nicht weiter tragisch, und gibt noch ein kleines bisschen Konfliktstoff (“Cut your hair?” - “Yeah... a few months ago”). Im laufe der Verhandlungen kommt einiges an die Oberfläche, und von den darin Verwickelten offenbaren sich nach und nach auch mal mehr als nur ein Gesicht. So hat der Pfarrer einiges falsch gemacht, und war scheinbar nicht der Mensch, der er für viele zu sein schien. Auch der Angeklagte scheint psychisch doch ein wenig grössere Probleme zu haben, und schon vom Vater schlecht behandelt worden zu sein. Der kühle Staranwalt zeigt, dass seine Grundsätze doch nicht ganz so klar zu sein scheinen, und benutzt den Prozess gleich noch um Mächtige zu entblössen, weil sie scheinbar einen ehemaligen Klient ermorden lassen hat.

Ich habe schon beinahe Angst bereits zu viel verraten zu haben, aber ein bisschen etwas muss man in einem Review ja verraten. Es gibt neue Ansätze und Wendungen am laufenden Band. Das ganze spitzt sich zu, löst sich ein wenig, spitzt sich wieder zu, lässt einem Nachdenken, mit wem man überhaupt mitfühlen soll, was das hier überhaupt richtig ist, was nicht. Am Schluss wird zwar was die Story betrifft, alles ziemlich aufgeklärt, was die Gefühlsebene betrifft, wird man nachdem man meint einigermassen alles geordnet zu haben, total in der Luft hängen gelassen, und auf sich selbst überlassen. Ich habe noch selten einen so klaren, und dennoch so verwirrenden Schluss gesehen.
Ein starkes Stück, mit starken Darstellern und mindestens so starkem Plot.
Zum Schluss nochmals ein kleines Zitat:
Marty: "Hey, I’m Martin Vail. I’m efending Aaron Stampler. I need to inspect the murder site."
Cop: "Oh, the Butcher Boy, huh?"
Marty: "Thank you, yes. I forgot his real name."
Und noch ein Trailer:




